Kontakt: Universität Duisburg-Essen, Institut für Philosophie, Stichwort: Kongress 2008, Universitätsstr. 12, 45117 Essen - Tel.: 0201/183-3486, E-Mail: infodgphil2008.de
Sektionsredner

Eine Auflistung der Sektionsredner finden Sie in alphabetischer Sortierung unter nachfolgendem Link


Verzeichnis der Sektionsredner

Download Programm

Unter folgendem Link können Sie sich das Gesamtprogramm als PDF (1 MB) herunterladen: Download PDF.

Kontakt

Professor Dr. Dr. h.c. C.F. Gethmann

Institut für Philosophie
Stichwort: Kongress 2008
Universität Duisburg-Essen
Universitätsstr. 12
45117 Essen

Häufig gestellte Fragen

Sollten Sie Fragen haben, schicken Sie eine E-Mail an info dgphil2008.de. Möglicherweise finden Sie auch bei den häufig gestellten Fragen eine Antwort.


FAQ

Sektionsredner

Priv.-Doz. Dr. Matthias Perkams (München) - Curriculum Vitae
Religiöse Lebenswelt und philosophische Terminologie. Das Konzept der Existenz bei Avicenna und Anselm von Canterbury

Abstract

Nach einer bekannten und weitgehend akzeptierten These von Charles Kahn hat das Konzept der Existenz im modernen Sinn für die antike Philosophie keine entscheidende Rolle gespielt, sofern sie es überhaupt gekannt hat. Dagegen lässt sich ohne große Probleme der Punkt bestimmen, an dem die Frage nach der Existenz begonnen hat, das Konzept des Seins wesentlich zu bestimmen, nämlich in der frühmittelalterlichen arabischen und christlichen Philosophie. Der Vortrag möchte diesen Punkt anhand der Gottesbeweise von Ibn Sina (Avicenna, ca. 980-1034) und von Anselm von Canterbury darstellen, indem er zeigt, dass die Gottesbeweise beider ganz wesentlich mit dem Konzept der Existenz arbeiten. Dieses im Prinzip bekannte Faktum ist deswegen für die Thematik des Kongresses von Interesse, weil zwischen den beiden etwa gleichzeitigen Denkern, die in ganz verschiedenen Kulturkreisen lebten und ihr Argument auf ganz verschiedene Weise präsentieren und entwickeln, keine historisch nachweisbare Verbindung besteht. Aus diesem Grund ist das parallele In-den-Mittelpunkt-Treten des Existenzbegriffs bei beiden ein Faktum, das aufgrund der religiös geprägten Lebenswelten und den aus diesen resultierenden Gedanken beider zu erklären ist, die gegenüber der antiken Philosophie wichtige Besonderheiten aufwiesen: Sowohl das Christentum als auch der Islam nahmen einen allmächtigen und transzendenten Gott an, der die Welt aus dem Nichts geschaffen hatte. Gerade diese Schöpfung aus dem Nichts legte die Alternative nahe, dass Sein ein Begriff ist, der Gegenständen nur entweder zukommen oder nicht zukommen kann, d.h. an die Stelle der im griechischen Denken verbreiteten analogen Verwendung des Seinsbegriffs tritt seine Bestimmung der Existenz als zentrales Moment. Und im Zusammenhang mit der dadurch erst stellbaren Frage ob Gott ist oder nicht ist (bzw. existiert oder nicht existiert) liegt das Konzept einer notwendigen Existenz, die die nicht-notwendige Existenz der übrigen Dinge als Bedingung ihrer Möglichkeit absichert, offenbar so nahe, dass sie von Avicenna und Anselm auf je eigene Weise entwickelt werden konnte. Der Vortrag, der zunächst die These Kahns und die einschlägigen Überlegungen von Avicenna und Anselm darstellen und dann die gerade erläuterte These verdeutlichen soll, stellt insofern einen Beitrag zum Konferenzthema dar, als er zeigt, inwiefern Grundbegriffe der Philosophie durch die unterschiedlichen Lebenswelten ihrer Autoren geprägt werden, die im vorliegenden Fall (aber sicherlich nicht nur in ihm) religiöse Lebenswelten waren. Am Beispiel Avicennas soll dabei darauf hingewiesen werden, dass gerade aus dieser historischen Perspektive die Selbstverständlichkeit, mit der er seinen eigenen Seinsbegriff begründet fraglich sein muss – ebenso wie viele andere Selbstverständlichkeiten unseres Denkens auch.

  • nach oben
  • zum Kalender

Curriculum Vitae von Priv.-Doz. Dr. Matthias Perkams

Promotion:
  • 2000: Liebe als Zentralbegriff der Ethik nach Peter Abaelard (Bonn)
Habilitation:
  • 2006: Die neuplatonischen Kommentare zu Aristoteles' De anima und das Problem der Selbsterkenntnis (Jena)
Derzeitige Universität oder Institution:
  • LMU
Forschungsschwerpunkt(e):
  • Antike und mittelalterliche Philosophie
  • Ethische Grundbegriffe
  • Theorie der Person
Berufliche Stationen:
  • Oktober 2007: Heisenberg-Stipendiat der DFG
Wichtigste Publikation(en):
  • Proklos. Methode, Seelenlehre, Metaphysik, Leiden u.a. 2006 (hrsg. mit R.M. Piccione)
  • Das Problem der Willensschwäche in der mittelalterlichen Philosophie, Leuven u.a. 2006
  • Aquinas’s Interpretation of the Aristotelian Virtue of Justice and his Doctrine of Natural Law, in: I. P. Bejczy (Hrsg.), Virtue Ethics in the Middle Ages. Commentaries on Aristotle’s Nicomachean Ethics, 1200-1500, Leiden/Boston 2007, 131-150.
  • nach oben
  • zum Kalender